Betrieb von Asynchronmaschinen mit S300-S700
Gültig für S300, S700
Um den Servoverstärker in die Lage zu versetzen, auch Asynchronmaschinen drehzahlgeregelt zu betreiben, musste die Regelstruktur erweitert werden. Für die zusätzlichen Elemente müssen die entsprechenden Parameter eingestellt werden.
In allen sensorlosen Betriebsarten wird die Ausgangsfrequenz auf 599 Hz begrenzt. Falls Ihre Applikation eine höhere Ausgangsfrequenz benötigt, kontaktieren Sie bitte unseren Support.
Diese Seite erläutert die Parametrierung der Asynchronmaschine.

Abbildung 1: Regelstruktur für die Asynchronmaschine
Beschreibung
Zur Regelung von Asynchronmaschinen ist die bestehenden Regelstruktur des S300/S700 im wesentlichen um vier Elemente erweitert worden (Abbildung 1, grau hinterlegt):
1. Flussschätzung
2. Flussregler
3. Schlupfberechnung und
4. Feldschwächung
Diese Elemente werden mit folgenden neuen bzw. veränderten ASCII Befehlen Parametriert.
Neue und veränderte ASCII Befehle
| MTYPE | Asynchronmaschine = 3 |
| MIMR | Sollstrom in D-Richtung (A) |
| GF | Proportionalverstärkung Flussregler |
| GFTN | Zeitkonstante Flussregler (ms) |
| MTR | Rotorzeitkonstante (ms) |
| MVR | Nenndrehzahl für die Feldschwächung (rpm) |
| MCFW | Parameter für die Feldschwächung |
| GU | Proportionalverstärkung Spannungsregler (Feldschwächung) |
| GUTN | Zeitkonstante Spannungsregler (ms) (Feldschwächung) |
| UMAX | maximale Ausgangsspannung (nur in Feldschwächung aktiv) |
Grunddrehzahlbereich
Im Grunddrehzahlbereich (bis zur Nenndrehzahl), bleibt der Feldbildende Strom (D-Strom) bei seinem Nennwert (MIMR). Dies sind die grundlegenden Einstellungen für den Betrieb der Asynchronmaschine. Wenn ein Betrieb im Feldschwächungsbereich vorgesehen ist, sollten trotzdem zuerst alle Parameter im Grunddrehzahlbereich eingestellt werden (MVR 0). Die Regelstruktur vereinfacht sich zu Abbildung 2. Danach erst sollte die Feldschwächung aktiviert werden (MVR = Nenndrehzahl). (Abbildung 1)

Abbildung 2: Regelstruktur für die Asynchronmaschine im Grunddrehzahlbereich
MTYPE
Zusätzlich zu den bisher möglichen Alternativen PM-Synchronmaschine (MTYPE = 1) und Linearmotor (MTYPE = 2) ist es möglich die Asynchronmaschine zu wählen (MTYPE = 3).
Diese Einstellung aktiviert Flussschätzung, Flussregler und Schlupfberechnung.
MIMR
Sollstrom (ohne Feldschwächung) in D-Richtung.

Für die meisten Asynchronmaschinen trifft
zu, das entspricht
. Als Richtwert kann also gelten:

Mit diesem Wert sollte die Nenndrehzahl bei Nennspannung ohne weitere Feldschwächung erreichbar sein. Falls dies nicht der Fall ist, muss der Wert für MIMR weiter herabgesetzt werden.
Allgemein kann zur Überprüfung des Werts für MIMR die Maschine bei Nenndrehzahl im Leerlauf betrieben werden (Feldschwächung ausgeschaltet, s.u.). Dann wird der Wert von MIMR so lange schrittweise erhöht, bis die Drehzahl nicht mehr gehalten werden kann und von selbst absinkt. Der optimale Wert von MIMR liegt 5-10% tiefer.
GF und GFTN
Die Defaultwerte für GF bzw. GFTN betragen 1 bzw. 100ms.
Normalerweise können sie auf diesen Werten belassen werden, da der Rotorfluss nur sehr langsam reagiert.
MTR
Wenn die Werte aus dem T-Ersatzschaltbild (Abbildung 3) vorliegen, berechnet sich MTR wie folgt

Abbildung 3: T-Ersatzschaltbild der Asynchronmaschine
MTR =
mit
; 
Alternativ kann der Wert für
wie folgt abgeschätzt werden:
Unter Vernachlässigung von
ist 
;
MIMR
mit
Nennleistung und
;
(synchrone Drehzahl) und
(Nenndrehmoment)
Der Defaultwert für MTR beträgt 100ms. In dieser Größenordnung wird sich die Rotorzeitkonstante einer kleinen Maschine finden.
Beispielrechnung
Asynchronmaschine 90L4 von Getriebebau NORD bei 230V
Daten vom Motortypenschild:
UR = 230V
fR = 50Hz
ImR = 0,48*IR = 2,95A
PR = 1500W
IR = 6,15A
p = 2
NR = 1395rpm
Feldschwächung
Die benötigte Spannung ist proportional zur Drehzahl. Mit erreichen der Nenndrehzahl nN ist die zur Verfügung stehende Spannung im Allgemeinen vollständig ausgeschöpft. Zur weiteren Erhöhung der Drehzahl ist es zur Verringerung der induzierten Gegenspannung erforderlich, das Feld zu verringern. Dies geht allerdings auf Kosten des maximal möglichen Drehmoments. (Abbildung 4)


Abbildung 4: Verlauf des Drehmoments, des magnetischen Flusses, der Ausgangsspannung und der abgegebenen Leistung als Funktion der Drehzahl.
Es gibt im Servoverstärker zwei Möglichkeiten, die Feldschwächung zu realisieren:
1. drehzahlabhängig gesteuert (
)
2. über eine überlagerte Regelung der Ausgangsspannung
Die beiden Varianten sind grundsätzlich gleichwertig, wobei die zweite Alternative eine zusätzliche Möglichkeit der Instabilität in das System bringt, da eine weitere Rückkopplung in das System eingebaut wird. Die Vorgänge sind aber langsam genug, dass dies normalerweise nicht zu erwarten ist.
Außerdem muss zuvor überprüft werden ob die angetriebene Mechanik (die Maschine eingeschlossen) auf solche hohen Drehzahlen ausgelegt ist.
Feldschwächung drehzahlabhängig gesteuert ()
(Default: Konfiguration: DRVCNFG2 Bit 28 nicht gesetzt (&0x08000000=false))
Dies ist die „normale“ Art das Feld so zu schwächen, dass die gewünschte Drehzahl noch erreicht werden kann (Abbildung 1).
MVR
Nenndrehzahl in rpm. Ab dieser Drehzahl beginnt die Feldschwächung:

Für MVR = 0 ist die Feldschwächung abgeschaltet (Default).
Dann bleibt der Fluss auf seinem Nennwert und die Maschine kann nicht schneller drehen, als die Nenndrehzahl.
MCFW
In manchen Fällen reicht die Feldschwächung direkt oberhalb der Nenndrehzahl nicht aus, um genügend Spannung zur Verfügung stellen zu können. Dann kann entweder MVR herabgesetzt werden, damit die Feldschwächung früher einsetzt, oder alternativ kann der Fluss zu Beginn der Feldschwächung mit
abgesenkt werden.
MCFW legt den Wert als Vielfaches der Nenndrehzahl fest, bis zu dem der D-Strom quadratisch fallen soll.
z.B. MCFW = 1,3 : Oberhalb der Nenndrehzahl bis zum 1,3-fachen der Nenndrehzahl fällt der D-Strom quadratisch reziprok (
) mit der Drehzahl und darüber nur noch einfach reziprok (
)
Default: 1 (abgeschaltet,
über dem gesamten Drehzahlbereich oberhalb der Nenndrehzahl)
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