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Vernichtet oder schafft die Robotisierung Arbeitsplätze?

04 Jan 2019
Eddie Yang

human vs. robotDas Thema Mensch gegen Roboter genießt seit geraumer Zeit große Beachtung. Werfen Sie einen Blick auf die Kommentare unter dem YouTube-Video, in dem Google seine neue KI -Unterstützung (künstliche Intelligenz) vorstellt, die Restaurants und Salons anrufen kann, um Termine zu vereinbaren – unter den Zuschauern gibt es große Sorge ob des Risikos, dass menschliche Arbeitnehmer durch mit KI/AI ausgestattete Maschinen ersetzt werden könnten. Andererseits gab selbst Elon Musk in einem Tweet zu, dass der Mensch bei Tesla unterschätzt werde, da die „übermäßige Automatisierung ein Fehler war“. Angespornt von solchen Aussagen grüble ich immer über eine Frage nach: Welche Rolle hat die Robotisierung oder, weiter gefasst, die Automatisierung, für den heutigen Arbeitsmarkt?

In einem jüngeren Artikel vom Wall Street Journal wurde eine Schlussfolgerung enthüllt, die sich vielleicht kontraintuitiv anhören mag: Die Automatisierung schafft tatsächlich Arbeitsplätze für Unternehmen und Länder/Regionen, die großflächig Industrieroboter einsetzen. Die Automatisierung im Vereinigten Königreich hat laut einer Arbeitnehmerstudie aus dem Jahr 2017, die von der Beratungsfirma Deloitte durchgeführt wurde, zur Schaffung von 3,5 Millionen hochqualifizierter Arbeitsplätze in den letzten 15 Jahren geführt. Die industrielle Beschäftigung in Deutschland soll laut dem in Deutschland ansässigen Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung bis 2021 um 1,8 % steigen. Die Asiatische Entwicklungsbank erklärte im April 2018, dass die Automatisierung in der Region zusätzliche 34 Millionen Arbeitsplätze geschaffen hätte.

Das Job-Wachstum hat vor allem zwei treibende Faktoren. Dies ist zum einen die Tatsache, dass die Automatisierung durch Robotik einzelnen Unternehmen und Ländern/Regionen eine Senkung von Produktionskosten und/oder Verbesserung der Produktqualität ermöglicht hat, wodurch deren Wettbewerbsfähigkeit auf dem Markt gestärkt wird und der Bedarf für zusätzliche Arbeitsplätze entsteht. Außerdem wird der Mensch trotz der Automatisierung repetitiver Arbeitsvorgänge in Fabriken und Büros nach wie vor sehr für kreative Aufgaben gebraucht, die Urteilsvermögen und Problemlösungsfähigkeiten voraussetzen. In Branchen mit immer komplexer werdenden Betrieben sind zusätzliche „menschliche Denker“ erforderlich, welche die Maschinenarbeit vervollständigen und/oder welche dazu beitragen, die Effizienz von Maschinen zu verbessern.

Ein Fall, auf den in dem Artikel des Wall Street Journal eingegangen wird, ist das BMW-Werk mit Sitz in Spartanburg, South Carolina, in dem Roboter schwarze, schalldämpfende Gummischläuche an der Innenseite von mehr als 5.000 Autotüren befestigen, die jeden Tag die Fertigungslinie passieren – eine Aufgabe, die einst von Hand erledigt wurde. An der gleichen Fertigungslinie führen menschliche Arbeitskräfte abschließende Prüfungen zur Schlauchmontage durch, die Urteilsvermögen und Entscheidungsfindung voraussetzen. Ungeachtet dieser Automatisierung ist die Belegschaft des BMW-Werks in den vergangenen zehn Jahren von 4.200 auf über 10.000 Arbeitnehmer angewachsen und es werden komplexere Autobaugruppen gehandhabt.

Is Robotization Destroying or Creating Jobs?Dennoch sieht die Beschäftigungslage nicht in allen Branchen rosig aus. Es wird erwartet, dass viele Arbeitsplätze in Branchen wie der Bekleidungsindustrie verschwinden, weil Roboter effizienter und präziser arbeiten können. Die gute Neuigkeit ist, dass Unternehmen üblicherweise nicht alle Aufgaben von Arbeitnehmern auf einmal automatisieren, sodass diesen genug Zeit für die erforderliche Aus- und Weiterbildung bleibt, um ihre Fährigkeiten zu erweitern. Es ist wichtig, dass Arbeitgeber und Regierungen Kurse für Fähigkeiten wie Softwareprogrammierung und Engineering Design anbieten, die Arbeitnehmer beim Umgang mit Robotern unterstützen.

Die Debatte um die Gefahr, dass Menschen ihre Arbeitsplätze an Roboter verlieren, erinnert mich oft an die Vorhersage des berühmten britischen Wirtschaftswissenschaftlers John Keynes in den 1930er Jahren. Dieser sagte, dass der Mensch im 21. Jahrhundert aufgrund der besseren Produktivität lediglich 15 Stunden pro Woche arbeiten müsse. Wird sich die Geschichte wiederholen?

Über den Autor

Eddie Yang

Eddie Yang

Eddie Yang ist Product Line Manager bei Kollmorgen in Ratingen, Deutschland. Er ist 2017 MBA-Absolvent der Kellogg School of Management an der Northwestern University. Vor seiner Tätigkeit bei Kollmorgen war er Unternehmensberater und betreute Kunden in verschiedenen Branchen wie Industriegüter, Technologie/E-Commerce und Gesundheitswesen. Er war auch Unternehmer im Bildungssektor in China. In seiner Freizeit spielt er gerne Tennis, liest und verbringt Zeit mit seiner Frau und zwei Kindern. Er kann unter Eddie.Yang@kollmorgen.com kontaktiert werden.

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